Genua, Juli 1857. Ein mazzinianischer Aufstandsversuch ist gerade gescheitert, und die Polizei füllt die Gefängnisse. Unter den Verhafteten ist ein junger Adliger aus Lendinara, Alberto Mario. Im Gefängnis lernt er eine andere Gefangene kennen, eine englische Journalistin: Sie heißt Jessie White.
Alberto war am 4. Juni 1825 in Lendinara geboren worden, in eine Familie, die Jahrhunderte zuvor aus Ferrara gekommen war. Als Student in Padua hatte er am 8. Februar 1848 an der Kundgebung gegen die Österreicher teilgenommen. Danach hatte er als Freiwilliger bei Cornuda, Treviso und Vicenza gekämpft.
Jessie war 1832 in der Nähe von Portsmouth zur Welt gekommen, in einer Reederfamilie. Sie hatte versucht, in London Medizin zu studieren, war aber abgewiesen worden, weil sie eine Frau war. Mazzini hatte sie überzeugt, Geld für die italienische Sache zu sammeln. Nach der Haft heiraten sie und Alberto am 19. Dezember 1857 standesamtlich in Portsmouth.
Von da an folgen ihre Leben dem Risorgimento. 1860 brechen sie mit den Expeditionen Garibaldis nach Sizilien auf. In Palermo leitet Alberto auf Einladung Garibaldis eine Zeit lang die Militärschule, dann kämpft er bei Milazzo und zieht die Halbinsel hinauf bis Neapel. Diese Monate schildert er in einem Buch, das zuerst in London und dann in Italien erscheint: La camicia rossa (Das rote Hemd). 1863 lehnt er den Abgeordnetensitz ab, um der Monarchie nicht die Treue schwören zu müssen. Jessie schreibt Biografien über Garibaldi, Mazzini und Cattaneo.
Alberto Mario stirbt am 2. Juni 1883 in Lendinara, genau ein Jahr nach Garibaldi. Er wird im Garten seines Hauses beigesetzt, 1899 wird der Leichnam auf den neuen Stadtfriedhof überführt. Jessie stirbt am 5. März 1906 verarmt in Florenz. Ihre Asche ruht neben ihm.
In Lendinara lässt sich ihre Geschichte noch Schritt für Schritt verfolgen: von den Gassen der Altstadt bis zum Friedhof, wo die beiden Eheleute aus dem Gefängnis von Genua wieder beieinander sind.


