Fassade der Villa Grimani Molin Avezzù in Fratta Polesine
Villa Grimani Molin Avezzù in Fratta Polesine, der im Beitrag genannte Ort der Carbonari; heutige Ansicht der Villa, keine Darstellung des Banketts von 1818 · Threecharlie · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
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Geschichte · Fratta Polesine

Das Festmahl von San Martino

Die Carbonari von Fratta und das Abendessen, das auf den Spielberg führte

Epoche
1817–1823
Wo
Villa Grimani Molin Avezzù, Via Zabarella 1, 45025 Fratta Polesine (RO)

Am Abend des 11. November 1818, dem Martinstag, feierte man in Fratta Polesine mit einem Festmahl. Die Gänge, der Wein, die Trinksprüche. Doch unter der Fröhlichkeit lag ein Geheimnis. Viele der Gäste gehörten der Carboneria an, dem Geheimbund, der davon träumte, Italien von den Österreichern zu befreien und ihm eine Verfassung zu geben.

Fratta war damals das wichtigste Zentrum der Carbonari im Polesine. Der „Vater“ der Bewegung in der Gegend war ein Richter, Felice Foresti. Ausgerechnet er, der von Berufs wegen über die Sicherheit des österreichischen Staates hätte wachen sollen, hatte die Ideen der Carbonari in das Land zwischen Etsch und Po getragen.

Um ihn hatten sich Adlige, Grundbesitzer und junge Leute geschart. Unter ihnen war Antonio Fortunato Oroboni. Er war 1791 in Ferrara geboren, aber in Fratta bei einer Tante aufgewachsen. Er war Sekretär der örtlichen „vendita“ geworden, der Carbonari-Zelle des Ortes.

An jenem Abend, so erzählt die Überlieferung, gewann die Begeisterung die Oberhand über die Vorsicht. Das Festmahl endete in patriotischen Hochrufen. Und jemand redete. Es folgten Anzeigen, dann Verhaftungen.

Ein Geständnis führte die Polizei bis zur Familienkapelle der Oroboni. Dort waren belastende Dokumente versteckt, darunter eine viel gesuchte „Lateinische Verfassung“.

Die Prozesse fanden in Venedig statt, vor dem Richter Antonio Salvotti. 1821 ergingen die Todesurteile. Kaiser Franz I. wandelte sie in schweren Kerker um. Für Oroboni bedeutete das die Festung Spielberg in Mähren, fern der Heimat.

Dort lernte er einen anderen Gefangenen kennen: Silvio Pellico. Oroboni starb am 13. Juni 1823 auf dem Spielberg. Pellico vergaß ihn nicht. In seinen Mie prigioni („Meine Gefängnisse“) zeichnete er ein bewegendes Porträt von ihm und machte den jungen Mann aus Fratta zu einem Symbol für Glauben und Opfer.

Wo genau fand das Festmahl statt? Die Quellen sind sich nicht einig. Die Studien zum 200. Jahrestag verorten es im Haus Molin, der heutigen Villa Grimani Molin Avezzù. Das Biografische Lexikon Treccani spricht dagegen vom Haus Monti. Der Zweifel bleibt, doch es ist die Villa, in der der Ort die Erinnerung zu bewahren beschlossen hat.

Jeden November, bei den Giornate della Carboneria, den Tagen der Carboneria, wird in der Villa nämlich wieder die Tafel gedeckt. Ein Abendessen in historischen Kostümen lässt jenen Martinsabend aufleben, an dem die Begeisterung einiger Trinksprüche das Schicksal einer Gruppe von Patrioten aus dem Polesine veränderte.

Quellen

  1. Treccani – Dizionario Biografico degli Italiani
  2. Minelliana
  3. Italia.it
  4. Regione Veneto – Veneto Around Me
  5. ViavaiNet
  6. Pensionati CR Veneto

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