
Abtei Vangadizza
Die Abtei, die Herrschaft und Bistum war
Badia Polesine trägt den Namen einer Abtei, die Lehen und Bistum war. Geblieben sind Kreuzgang, Apsis und ein schiefer Glockenturm voller Erinnerung.
Tausend Jahre einer Diözese mit zwei Städten
Die Diözese Adria-Rovigo hat zwei Kathedralen und eine eigentümliche Geschichte: einen Bischof, der ein Jahrtausend lang Bischof „von Adria“ war, obwohl er anderswo lebte. Es ist eine Geschichte kurzer Entfernungen und sehr langer Zeiträume. Um sie zu verstehen, muss man in Adria beginnen, dem antiken Hafen, der der Adria ihren Namen gab.
Dort entsteht die Diözese. Die Überlieferung führt ihre christlichen Wurzeln auf den heiligen Apollinaris zurück. Der erste belegte Bischof heißt Gallonisto: 649 nimmt er an der römischen Synode von Papst Martin I. teil. Über elf Jahrhunderte lang bleibt die Diözese Suffraganbistum des Erzbistums Ravenna.
Das entscheidende Ereignis für Rovigo kommt im 10. Jahrhundert. Laut dem Diözesanarchiv verlegt Bischof Paolo mit Erlaubnis von Papst Johannes X. seinen Wohnsitz von Adria nach Rovigo, in die „gesündere und sicherere Stadt“.
So entsteht ein Doppelgesicht, das Jahrhunderte überdauern wird. Der offizielle Bischofssitz und die Kurie bleiben in Adria. Die Bischöfe dagegen wohnen in Rovigo. Deshalb erhält der Dom Santo Stefano ein Kapitel von Kanonikern. Noch im 19. und frühen 20. Jahrhundert wird die Diözese zwei Bischofspaläste haben, einen in jeder Stadt.
1484 fällt das Gebiet mit dem Frieden von Bagnolo an die Republik Venedig. Das Verhältnis zur Serenissima wird nicht immer einfach sein: 1639 geht Venedig so weit, die Güter der bischöflichen Mensa zu beschlagnahmen, das Vermögen, das den Bischof unterhielt.
Im Juli 1563 beschließt das Konzil von Trient, dass jede Diözese ein Seminar zur Ausbildung der Priester haben soll. Der Bischof von Adria, Giulio Canani, hat an den Beratungen teilgenommen. Nach seiner Rückkehr beruft er die Synoden von 1564, 1566 und 1567 ein, und es beginnt eine lange Debatte: Soll das Seminar in Adria oder in Rovigo stehen?
Die Antwort kommt 1592. Bischof Lorenzo Laureti entscheidet sich für Rovigo und kauft ein bescheidenes Haus nahe dem Dom. Zwei Jahrhunderte später findet das Seminar einen neuen Sitz im ehemaligen Kloster der Augustiner-Eremiten von Sant’Agostino in der Via Sichirollo, das zwischen 1779 und 1794 neu errichtet wird.
1818 löst die Bulle „De Salute“ Pius' VII. die Diözese von Ravenna und unterstellt sie dem Patriarchat von Venedig, dessen Suffraganbistum sie bis heute ist.
Der Schritt, der den Kreis schließt, kommt 1909. Bischof Boggiani verlegt die Kurie nach Rovigo, wo die Bischöfe bereits ständig residierten. Mit der Kurie zieht auch ein Teil des Archivs des Domkapitels um. Nach tausend Jahren erreichen die Ämter endlich ihren Bischof. 1941 erhält die Stadt auch ein neues Bischofshaus.
Am 30. September 1986 erhält die Diözese ihren heutigen Namen Adria-Rovigo. Damit wird eine jahrhundertealte Tatsache anerkannt. Die Kathedrale bleibt Santi Pietro e Paolo in Adria, während Santo Stefano in Rovigo Konkathedrale wird, je nach Quelle 1986 oder 1987. Schutzpatron der Diözese ist der heilige Bellino.
Heute zählt die Diözese 109 Pfarreien auf 1.193 Quadratkilometern. Seit 2015 ist Mons. Pierantonio Pavanello Bischof. Die Kurie hat ihren Sitz in der Via Sichirollo 18 in Rovigo, in derselben Straße wie das ehemalige Seminar aus dem 18. Jahrhundert.
Diese Geschichte ist nicht in Archiven verschlossen. Man kann sie beim Gang durch das Zentrum lesen. Man beginnt am Dom Santo Stefano, der Kirche der Kanoniker, mit seiner nie vollendeten Fassade. Weiter geht es in die Via Sichirollo, zwischen Kurie und ehemaligem Seminar, das aus dem Konzil von Trient hervorging. Dann erreicht man die Rotonda, deren Grundstein in Anwesenheit von Bischof Laureti gelegt wurde, und die Kirche San Domenico, die Bischof Molin nach dem Sturz Napoleons wieder für den Gottesdienst öffnete. In San Bartolomeo warten im hölzernen Chorgestühl die Wappen der Bischöfe von 1318 bis heute darauf, eines nach dem anderen gelesen zu werden.
Jede Station ist ein Kapitel des Rovigo der Bischöfe. Man muss sich nur auf den Weg machen.
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