In der Landschaft von Trecenta, an der Straße nach Sariano, scheint das Wasser stillzustehen. Es ist kein gewöhnlicher Teich. Es ist der Gorgo della Sposa (Strudel der Braut), der größte der „Gorghi“ im Polesine und im Gebiet von Ferrara: rund sieben Hektar Wasser, mit einem Becken von über zwölf Metern Tiefe.
Sein Ursprung ist gewaltsam. Die Gorghi von Trecenta entstanden durch alte Deichbrüche: Das Hochwasser des Tartaro überspülte den Damm, der eben daher Argine della Sposa heißt, und grub sich auf der anderen Seite in den Boden. Als die Flut zurückging, blieben tiefe Löcher, gespeist von Quellen eines alten Po-Arms. Klares Wasser mit gleichbleibender Temperatur.
Der Gorgo della Sposa wird bereits in einer Konzessionsurkunde von 1269 erwähnt. Er war so breit, dass er die natürliche Grenze zwischen dem ummauerten Ort Trecenta und Sariano bildete, beide im Herzogtum Ferrara.
Der Name stammt aus einer Legende. Man erzählt von einem jungen Mädchen, das einen armen Burschen liebte. Die Familie versprach sie jedoch einem reichen Herrn, und sie ertränkte sich lieber im Strudel, als dieses Schicksal hinzunehmen. In einer anderen Fassung stürzte sie sich auf dem Weg zur Hochzeit aus der Kutsche. Seitdem soll man in mondlosen Nächten ihr Klagen hören.
Doch in Trecenta kursiert noch eine andere, ältere und düsterere Überlieferung. Die Gorghi seien als Strafe für die Bosheit der Bewohner alter Dörfer gesandt worden, die das Wasser verschlang. Und nachts höre man vom Grund noch immer ihre versunkenen Glocken läuten.
Die Gemeinde Trecenta schlägt eine Deutung vor, die beide Geschichten verbindet: Diese tragischen Legenden bewahren aller Wahrscheinlichkeit nach die Erinnerung an echte Überschwemmungen, die Menschen und Dörfer mit sich rissen. Ein Gorgo entsteht immer aus einer Wasserkatastrophe, und das ist ein Trauma, das die Erde und ihre Bewohner nicht vergessen.
Heute sind die Gorghi ein Schutzgebiet im europäischen Netz Natura 2000. Am frei zugänglichen Gorgo della Sposa leben Reiher, Teichhühner und Rohrdommeln. Die Stille, besonders bei Sonnenuntergang, tut ein Übriges.



