Neben dem Palazzo Roverella steht der zweite große Renaissancepalast der Piazza. Er erzählt in Stein von einem gesellschaftlichen Aufstieg. Die Roncale waren um 1475 aus den Bergamasker Tälern in den Polesine gekommen, das Land zwischen Etsch und Po. Ein Jahrhundert später zählten sie zu den angesehensten Familien der Stadt. Giovanni Roncale, ein Adliger aus Rovigo im Dienst der Republik Venedig, ließ den Palast zwischen 1550 und 1562 erbauen. Manche Quellen datieren ihn auf 1555. Der Entwurf wird dem großen Veroneser Architekten Michele Sanmicheli zugeschrieben, der Festungen und Paläste in der ganzen venezianischen Terraferma schuf. Der Palast sollte allen den neuen Rang der Familie verkünden.
Ein König in Rovigo
Obwohl er unvollendet blieb, wurde er im 16. Jahrhundert zu einem der elegantesten Paläste der Stadt. Seine Sternstunde kam 1574. In jenem Jahr beherbergte er Heinrich III., König von Frankreich und Polen, auf dessen Reise durch Italien: ein König von Frankreich zu Gast bei einer Familie aus Rovigo. Für eine Familie, die ein Jahrhundert zuvor aus den Bergen gekommen war, war es ein Zeichen des Erreichten, einen Herrscher unter dem eigenen Dach zu empfangen.
Die Roncale behielten das Haus bis 1881: mehr als drei Jahrhunderte in der Hand derselben Familie. Nach wechselnden Nutzungen kaufte 1919 ein Kreditinstitut das Gebäude und finanzierte eine umfassende Restaurierung. Heute gehört der Palast der Fondazione Cassa di Risparmio di Padova e Rovigo. Sie zeigt hier Wechselausstellungen und veranstaltet kulturelle Events. Vom Familiensitz zum offenen Ort für die Stadt: Der Palast hat seine Funktion gewechselt, nicht seine Eleganz.
Das Piano nobile
Im Piano nobile, dem Hauptgeschoss, öffnet sich ein Saal mit sichtbarem Gebälk. Er ist mit historischen Möbeln eingerichtet und mit zwei großen Wandteppichen, je nach Quelle französisch oder flämisch. Der Palast bewahrt auch Leinwandbilder des 18. Jahrhunderts und Gemälde, die Mattia Bortoloni zugeschrieben werden. Wer hinaufsteigt, betritt Räume, die den Zauber eines herrschaftlichen Wohnsitzes bewahrt haben. Ein Besuch während einer Ausstellung ist die beste Gelegenheit, neben den gezeigten Werken auch die Säle zu entdecken, die einen König empfingen.




