1474 gab der betagte Kardinal Bartolomeo Roverella einen Palast an der Piazza Maggiore in Auftrag. Er sollte das Ansehen seiner Familie feiern. Die Roverella stammten aus einem Ort zwischen Rovigo und Lendinara und waren später in Ferrara, am Hof der Este, aufgestiegen. Eine Familie aus dem Polesine, die es ganz nach oben geschafft hatte, und ein Palast, der es allen zeigen sollte. Der Name des Architekten ist nicht bekannt. Fachleute vermuten den Einfluss des jungen Biagio Rossetti, des großen Stadtplaners im Ferrara der Renaissance. Der Stadtplan des Convention Bureau spricht von einem Entwurf, der „vielleicht“ von ihm stammt.
Eine abgebrochene Baustelle
Der Kardinal starb 1477 unerwartet, nur drei Jahre nach Baubeginn, und die Arbeiten kamen zum Stillstand. Das große Vorhaben blieb auf halbem Weg stehen. Der Palast blieb unvollendet. Bis ins späte 16. Jahrhundert wurde er immer wieder umgebaut, teils auch ohne Genehmigung, was seinen Verfall beschleunigte. Im 19. Jahrhundert folgten weitere Umbauten und Erweiterungen. Und doch ist sein unverwechselbares Merkmal bis heute erhalten: die Backsteinfassade im Stil der Este. Drei architektonische Ordnungen ruhen auf kräftigen Marmorsäulen, in einem harmonischen Zusammenspiel von rotem Ziegel und weißem Stein. An diesem Detail erkennt man den Palast auf den ersten Blick.
Die Wiedergeburt
Die Wiedergeburt ist jung: vom gezeichneten Altbau zum Haus der großen Ausstellungen. Die Stadt Rovigo und die Fondazione Cassa di Risparmio di Padova e Rovigo finanzierten eine umfassende Restaurierung, die das Portal italia.it auf das Jahr 2000 datiert. Seitdem zählt der Palast zu den wichtigsten Ausstellungsorten Venetiens. Der Backstein des 15. Jahrhunderts rahmt neue Kunstsaisons.
Heute beherbergt er dauerhaft die Pinakothek der Accademia dei Concordi, einer traditionsreichen Gelehrtengesellschaft der Stadt, und des Bischöflichen Seminars. Zu sehen sind Werke von Giovanni Bellini, Palma il Vecchio, Tiepolo und Piazzetta. Neben der Sammlung wechseln sich große Sonderausstellungen ab. 2024 lockte die Schau zu Henri de Toulouse-Lautrec nach Angaben der Accademia 64.000 Besucher an. So wurde der Palast, den ein Kardinal nicht vollenden konnte, zu einem der Häuser der Kunst in der Stadt.




